Um sich davon zu überzeugen, was sie vor Ort erwartet, wenn sie ihren Fachunterricht z. B. in Biologie oder Geografie einen Tag auf einen landwirtschaftlichen Betrieb verlegen, trafen sich Gymnasial- und Realschullehrer aus den Landkreisen Landshut und Kelheim zur Fortbildung auf dem Kirchthanner Biohof von Familie Mühlbauer bei Postau. Mehr
Fachlehreranwärterinnen für Ernährung und Gestaltung erlebten auf dem Biobauernhof Nickl in Jesendorf das Programm „Vom Schaf zum Filzball“ aus Sicht ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie erhielten Einblicke in die Schafhaltung, lernten die Eigenschaften der Wolle kennen und probierten das Filzen selbst aus. Der praxisnahe Seminartag lieferte viele wertvolle Impulse für den Unterricht.
Praxisnah fortbilden: Lehrkräfte testen das Programm „Vom Schaf zum Filzball“
Am 14. November 2025 bekamen die Fachlehreranwärterinnen für Ernährung und Gestaltung an Grund- und Mittelschulen aus ganz Niederbayern die Gelegenheit, selbst ein Lernprogramm zu durchlaufen, das normalerweise für Schulklassen entwickelt wurde. Auf dem Biobauernhof von Ingrid und Georg Nickl in Jesendorf erlebten sie das Programm „Vom Schaf zum Filzball“ aus der Perspektive der Kinder.
Zu Beginn lernten die Teilnehmerinnen die Schafherde kennen, die zum großen Teil aus Texelschafen besteht. Diese Rasse eignet sich besonders gut für die Fleischvermarktung und ist für den Hof eine wichtige Grundlage. Die angehenden Lehrkräfte erfuhren, was die Tiere fressen, welche Bedürfnisse Schafe haben, und konnten das natürliche Lanolin im Fell ertasten.
Ein besonders eindrucksvoller Moment war die Demonstration der Klauenpflege durch Georg Nickl. Die Teilnehmerinnen beobachteten, wie ein Schaf behutsam in eine sitzende Position gebracht wird, in der es sich kaum bewegen kann. In dieser Haltung lassen sich die Klauen sicher und präzise schneiden.
Der junge Hütehund des Hofes durfte ebenfalls kurz zeigen, was er bisher gelernt hat. Er steckt noch mitten in der Ausbildung, was ihn umso sympathischer machte.
Kreatives Arbeiten mit Wolle
Im praktischen Teil filzten die Teilnehmerinnen Bälle und stellten schneckenförmige Filzperlen her. Sie erfuhren, dass Filzen zu den ältesten textilen Techniken der Welt gehört und bereits seit rund 10.000 Jahren praktiziert wird. Das eigene Ausprobieren lieferte wertvolle Erfahrungen für den Unterricht. Dabei wurden Konzentration, Motorik und Ausdauer geschult, und die Anwärterinnen lernten die besonderen Eigenschaften der Wolle kennen: Sie ist temperaturausgleichend, schmutzabweisend, feuchtigkeitsregulierend und schwer entflammbar.
Praxiswissen für den Unterricht
Durch das eigene Ausprobieren verstanden die zukünftigen Lehrerinnen, wie wertvoll das Lernen an authentischen Orten sein kann und sie nahmen zahlreiche Ideen für die Unterrichtsgestaltung mit. Der Seminartag bot ihnen die Möglichkeit, die Rolle der Schülerinnen und Schüler einzunehmen und den Lernort Bauernhof als bereichernde Ergänzung zum Unterricht kennenzulernen.