Neues zur Milchviehhaltung
Mehr Tierwohl durch Projekte in der Rinderzucht

Mit dem bayerischen Verbundprojekt Fleckvieh Kuh (Q)-Lernstichprobe (FleQS) und dem neuen Zuchtwertschätzverfahren Single-Step haben zwei züchterische Entwicklungen im Jahr 2021 deutliche Verbesserungen für die Milchviehhalter gebracht.

Durch diese Maßnahmen konnten die Sicherheiten und damit die Aussagequalität der Zuchtwerte, insbesondere bei den Fitness-Merkmalen, deutlich verbessert werden. Zudem stehen neue Gesundheitszuchtwerte für die Merkmale Mastitis (Eutergesundheit), frühe Fruchtbarkeitsstörungen und Zysten (Eierstockszysten) zur Verfügung.

Seit der Augustzuchtwertschätzung wird nun auch ein von der Praxis seit langem gewünschter Zuchtwert hinsichtlich des Melkverhaltens ausgewiesen. Dieser ermöglicht es in Richtung umgänglicher, ruhiger Kühe zu züchten. Die gezielte Zucht von robusten Fleckviehrindern führt zu einer längeren Lebensdauer, geringerer Krankheitsanfälligkeit und damit auch weniger Medikamenteneinsatz.
Verbundprojekt FleQS
Ziel beim Verbundprojekt FleQS ist es, möglichst viele weibliche Rinder genomisch zu untersuchen, das heißt Auslesen von Erbinformationen, keine Veränderung der Erbanlagen, und gleichzeitig Gesundheitsdaten auf Betrieben zu erfassen. Diese beiden Informationen werden anschließend in der Zuchtwertschätzung verknüpft. Das Projekt läuft seit 1. Juli 2019 und in Bayern sind knapp 300 Fleckviehzuchtbetriebe daran beteiligt, davon in Niederbayern 31 Betriebe. Die Projektkosten betragen jährlich 1,7 Mio. €.

Neben der staatlichen Förderung von 500.000 € haben die Fleckviehzuchtverbände und die Besamungsstationen den Rest von jährlich 1,2 Mio. € zu stemmen. Da dieses Projekt Mitte 2022 ausläuft, ist es umso erfreulicher, dass das Staatsministerium ein neues Förderprogramm für die Genotypisierung von Rindern zur Verbesserung der Gesundheit, Robustheit und genetischen Qualität aufgelegt hat. Somit ergibt sich eine Anschlussregelung für die bisherigen FleQS-Projektbetriebe, und es können sogar weitere Betriebe daran teilnehmen.

Single-Step Zuchtwertschätzverfahren seit 2021
Nur mit dem neuen Single-Step Zuchtwertschätzverfahren ist es seit 2021 möglich, die zusätzlichen großen Datenmengen aus der genomischen Untersuchung weiblicher Rinder zu bewältigen. Es ist das weltweit erste Mal, dass dieses neue und anerkannt beste Verfahren zur Schätzung der Vererbungsleistung von Zuchtrindern angewendet wurde. Ein elfköpfiges Wissenschaftlerteam aus Deutschland und Österreich hat mehr als zwei Jahre an der Entwicklung der Methode für insgesamt 10 Merkmalskomplexe, die mehr als 50 Eigenschaften von Rindern abbilden, gearbeitet.

Die neue Methode bringt eine erhebliche Verbesserung der Vorhersagegenauigkeit für die genetischen Eigenschaften von jungen und sehr jungen Tieren und ermöglicht somit mehr Zuchtfortschritt in kürzerer Zeit. Das ist besonders wichtig, um bei Gesundheits- und Fitnessmerkmalen effektiv züchten zu können, aber auch entscheidende Zukunftsmerkmale wie Nährstoffeffizienz, Klauengesundheit, Methanemissionen oder Tierverhalten in die Zuchtziele zu integrieren.

Diese verbesserten und zum Teil neuen Zuchtwerte kann jeder Milchviehhalter zur Auswahl der am besten geeigneten Besamungsbullen für die Anpaarung seiner Kühe nutzen. Damit kann der Landwirt in Richtung langlebigerer, gesünderer und damit problemloserer Rinder züchten.

Ansprechpartner

Josef Tischler
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